Archiv für Aus dem Leben der T.s

Instagram, Latergram und sonstiger Gram. 

Liebes Saarland und Rest vonne Welt,

Frau T. ist in letzter Zeit wieder wesentlich aktiver auf Instagram. Und nachdem die letzen Nächte im Hause T. erklärungsbedingt eher unentspannt waren, hatte ich sehr viel Zeit, um unter der Bettdecke das Netz leerzusurfen und bin unweigerlich auf unzählige Seiten gestoßen, die mir erzählten, wie ich diesen Instagram-Account bildtechnisch zu füttern habe. Ja, so etwas gibt es tatsächlich. Nennt sich „How to (ergänze Thema der Wahl)“ Guide und springt einen von allen Seiten an.

Hier wird einem minutiös aufgelistet, was man gefälligst alles umzusetzen hat, wenn man seine Reichweite vergrößern möchte. Dabei dreht sich natürlich alles um die Fotos. Also sowas z.B.:


Was habe ich also nun in den letzten Tagen gelernt? Nun, maßgeblich wie das perfekte Instagram Foto auszusehen hat. Nämlich hell muss es sein, hell aber nicht überbelichtet. Einen Filter muss es haben. Aber nicht nur irgendeinen Filter, nein, immer den selben. Möchte Frau erfolgreich sein, MUSS sie sich auf einen Filter festlegen. Denn die Timeline oder wie dat Teil bei Instagram heißt muss einen einheitlichen Style aufweisen, denn sonst hat dein Account bei deinen Followern keinen Wiedererkennungswert.

Keinesfalls darf ein Foto mal aus der Reihe tanzen, denn sonst wird das optische Konzept der Bilderwand im Kern zerstört.
Wenn das also nun heißt, dass du für den Rest deiner Tage dein Essen, deine Klamotten, dein Equipment nur noch von oben auf nem Stuhl stehend dokumentarisch festhalten kannst, ja, dann muss das wohl so sein! Man will ja erfolgreich sein, ne?!

Und am besten weiß: weiße Kerze vor weißer Wand auf weißem Tisch! Selbstredend fotografiert von vom Lüster hängend. Denn ohne Vogelperspektive geht nun wahrlich nichts. Auch nicht bei weißem Motiv auf weißem Grund!
Falls es aber doch mal so sein sollte, dass man keine Flügel hat oder der Lüster, an dem man hängen müsste, das Gewicht nicht trägt, muss die Hintergrundkulisse wenigstens aber ein stylisches Restaurant oder aber eine knallbunte Ziegelwand sein. Gerne auch verschneite Berge, Meeresweite oder Wolkenkratzerskylines. Sowas hat man ja stets vor der Haustür. Im Saarland. Kurz vor der elsässischen Ackerlandschaft. Aber man will ja erfolgreich sein, streng dich halt an. Denn zum Erfolg gehört nunmal, dass man viele Follower bekommt. Und die, wie wir gerade gelernt haben, bekommt man nur, wenn man die „how to improve/increase…“ Ratgeber der Schönen, der Reichen und der ganz schön Reichen befolgt. Wo kämen wir auch hin, wenn einfach jeder spontan und nach Lust und Laune posten würde.

Ach, und die Hashtags! Nicht zu vergessen die #hastags! Mindestens 40 davon, denn die Beiträge müssen ja auch im hinterletzten Mikronesischen Eiland gefunden werden können. Sonst, ja, sonst tut es mir leid, aber dann wirst du nicht erfolgreich sein und keiner deinen Account ankucken wollen.

Ja, jetzt ist aber auch mal gut.

Also wenn es irgendwann tatsächlich mal soweit kommen sollte, dass persönlicher Erfolg nur noch an virtueller Herzchenvergabe gemessen wird, dann nehmt bitte eure Technik, werft sie in die Tonne und lasst euch 6-8 Wochen auf ner Alm aussetzen. Dem Herzchenfenster-Plumpsklo ist auch egal, dass es nicht geliked wird.

Nee mal ehrlich. Das für mich schizophrenste an dieser ganzen Geschichte ist, dass gefühlt mindestens jeder zweite Account Bildchen teilt, mit weisen Sprüchen zur inneren Mitte und „finde dein Glück in dir selbst“- Aufrufen. Wie soll denn bitte  jemand sein Glück in sich finden, wenn ihm/ihr zeitgleich von allen Seiten suggeriert wird, dass dieses intuitive „in sich“ per se falsch falsch ist und man sich schon an feste Vorgaben halten musst, um nicht „abzulosen“.

Yeay ein Hoch auf den Einheitsbrei. So gern ich solche Plattformen auch nutze, zwischendrin frage ich mich allerdings wirklich, ob ich noch bei klarem Verstand bin, selbst Gefallen an dieser Einheitsmasse zu finden, die überwiegend so oberflächlich ist, wie das Eis eines fließenden Baches bei um die null Grad.

Und das ist es doch tatsächlich: eine oberflächliche Scheinwelt, der solche Aussagen zu Grunde liegen:

Da schreit doch glatt mein kleines Lateinerherz vor Schmerz!

Instagram! Insta – gram!! Von „instantia ae, f. – Gegenwart, Gegenwärtigung“ und „γράμμα, -τος, n. – Zeichen, Schrift“!! Also platt gesagt: Gegenwartszeichen. Und nicht etwa „Steh-um-fünf-in-der-früh-auf,-positionier-dich-im-67-Grad-Winkel-zur-Erdkrümmung-der-südlichen-Hemisphäre,-editiere-das-Bild-in-80-Programmen-und-lade-es-6-Stunden-später-bis-zur-Unkenntlichkeit-gephotoshoppt-mit-Buddenbrocksähnlicher-Bildbeschreibung-hoch“-Zeichen!

Nein! Schieß das Foto, lad es hoch. Punkt. Zumindest dem Namen nach ist (oder war mal) das der primäre Zweck dieser App, zu teilen, was man gerade vor der Linse hat! Und nicht diese auf Hochglanz gephotoshoppte und manipulierte Pseudofotokunst.

Ich spüre förmlich, wie gerade hunderte von Instagrammern hektische rote Flecken und Luftnot bekommen. Ja, ich kucke mir die tollen Bilder ja auch gerne an, aber man möge doch bitte niemandem unterschwellig einreden wollen, nur wahrnehmenswert und „erfolgreich“ sein zu können, wenn er ausschließlich das macht, was von selbsternannten Experten als Regelwerk vorgegeben wird.

Die Regeln in der Musikbranche sind ja üblicherweise auch: willst du erfolgreich sein, musst du singen können, und siehe da, es gibt sie trotzdem die Sportfreunde Stiller. Sprachmelodisch ja mehr so das Harakiri der Intonation, aber hey: erfolgreich.

Versteht mich nicht falsch, ich finde Fotografieren toll, Sportfreunde Stiller nicht ganz so, aber Fotografieren. Ich nehme mir auch gerne Zeit, für schöne und qualitativ hochwertige Fotos. Ich finde auch helle, freundliche Fotos einladender als dunkle oder schlecht belichtete, aber bitte, es stirbt nun wahrlich kein Einhorn wenn das Foto vom Steak einfach nur ein Foto von einem Steak ist. Und zwar von einem, das noch heiß und saftig verzehrt werden konnte und nicht noch weitere fünf Tode sterben musste bis auch die letzte Pore perfekt inszeniert, ausgerichtet und ausgeleuchtet war, um dann zwar auf dem Bild geil auszusehen, letztlich dann aber halt zu schmecken, wie so ne kalte, zähe Kuh eben schmeckt.

Solch Helmut Newton verdächtige Fleischinszenierungen mögen mitunter zwar ihre Daseinsberechtigung haben, aber doch bitte nicht im Restaurant wenn man Hunger hat. Da tut’s auch der verwackelte schnelle Schnappschuss.
Nee nee. Das ist nicht meine Welt. Da hab ich doch lieber ein buntes Wirrwarr an nicht zusammenpassender iPhonebildern, Schnappschüssen und Erinnerungen auf meiner Fotowand, aber was Gescheites im Magen.

Und in puncto Wiedererkennungswert (ihr erinnert euch?): da gibt es so was völlig verrücktes, das nennt sich Profilname. Ein Blick ins linke obere Eck der App und schwups kann sich auch der verirrteste Follower orientieren, bei wem er sich grad befindet. Ganz ohne einheitlichen Filter und Style. Verrückt!

Und wer mir jetzt trotzdem dort folgen möchte, der weiß wenigstens, worauf er sich einlässt. 😄

Hier geht’s lang.

Bye
Nadine

Heute schon freundlich gewesen?

Liebes Saarland und Rest vonne Welt, 

es gibt so Tage, da schämt man sich, der Spezies Mensch anzugehören. 

Im Hause T. hat leider nach wie vor die Rüsselpest alles im Griff und so hält sich die Lust, Töpfe und Pfannen zu schwingen eher in Grenzen. Um dem drohenden Hungertod zu entgehen, schwang ich mich gestern in die Familienkutsche und ritt einmal schnell durch den Drive In der Fastfoodkette des Vertrauens. 

Am Ort des Geschehens angekommen, stellte ich fest, dass 19:30 Uhr vielleicht nicht die ganz optimale Uhrzeit ist. Denn die Schlange ragte bis zum Parkplatz. 

Nichtsdestotrotz ging es zügig voran. Ich bestellte also an der knarzenden Station, die vom Klang her auch der Lautsprecher einer New Yorker U-Bahn hätte sein können. Man weiß, die Person am anderen Ende sagt was, aber ob es nun tatsächlich Worte sind oder man gerade Zeuge eines Schlaganfalls oder Aneurismas geworden ist, bleibt bis zum Erreichen der Zielgeraden unklar. 

Ich stand da also so in der Reihe rum, vor mir zwei teuerere Schlitten, einer mit Münchener Kennzeichen, einer mit Regensburger und verfolgte das Gebahren am Ausgabeschalter. 

Ich dachte mir noch, da wird aber viel gestikuliert für ein paar Pommes und ne Cola, aber da das ganze ja für mich ohne Ton verlief, verwarf ich den Gedanken auch gleich wieder und spielte weiter Candy Crush bis ich endlich an der Reihe war. 

Ich öffnete mein Fenster, sagte: „Guten Abend“, das Mädel mit dem Kopfhörer schaute mich einen Hauch zu lang wortlos an. Dann sagte sie „17,85€“, ich reichte ihr das Geld und sagte „bitte“. Sie fragte mich, ob ich einen Getränkehalter benötige, ich antwortete: „ja, danke, das wäre nett“.

Sie kramt in ihrem Kabuff rum und reicht mir das Wechselgeld und die Getränke mitsamt Halter. Ich sagte abermals „Danke“. Sie schaute wieder einen kurzen Moment zu lange, dann reichte sie mir meine zwei Essenstüten raus. 

Ich bedankte mich ein letztes Mal und wünschte ihr noch einen schönen Abend. Sie stiert mich an, seufzt leicht und sagt gänzlich ernüchtert: „Sie sind heute der erste freundliche Mensch seit Schichtbeginn“. 

Ich fragte, wann sie denn angefangen hat. Sie antwortete: „um drei“. 

5 Stunden! Dieses zierliche Mädel steht zum Sonntag in einer lauten, fettigen Systemgastronomie, verdient dabei gerade genug, um ihre Miete zu zahlen und reicht seit 5 Stunden Leuten, die überwiegend zu faul sind, sich selbst zu bekochen Essen in ihre Autos und dann bin ich die erste, die Bitte und Danke sagt? Hallo? 

Wie Ich-bezogen können Menschen sein, dass sie eine Fastfoodmitarbeiterin im Drive In, die sich sicherlich für ihr Wochenende auch was schöneres hätte vorstellen können als nach Fett und Burgern zu riechen, anpflaumen wegen was auch immer? Dazu fällt mir nichts mehr ein und beschämt mich zutiefst.  

Was immer man erlebt hat, wie mies auch immer man drauf ist, dieses kleine zierliche Mädel in ihrem Glaskasten ist nicht dafür verantwortlich! Guten Tag, Bitte und Danke sind keine Luxusgüter, die man sich für schlechte Zeiten aufsparen muss. Das Leben an sich ist schon kein Ponyhof. Das Letzte, was man dazu noch braucht ist ein Umfeld voller Kackbratzen, die sich für etwas Besseres halten und denken, sie bräuchten kein Benehmen an den Tag zu legen. 

In diesem Sinne, falls noch nicht geschehen: 

Make your Kinderstube great again! Your Umfeld will thank you.

Es macht das Zusammenleben soviel einfacher. Ich für meinen Teil würde mir tatsächlich für den ein oder anderen Menschen serienmäßig so eine kleine italienische Mama auf der Schulter wünschen, die bei allen Kinderstuben-Fauxpas unter lauten Mama Mia Ausrufen leichte Denkanstöße auf den Hinterkopf verteilt. 

Ja, ich weiß, Watschen sind als erzieherische Maßnahme keine Option und moralisch verwerflich. Bei Kindern stimme ich da auch völlig zu, aber bei erwachsenen Menschen, die sich schlimmer benehmen als manch dreijähriger in der besten Trotzphase, fände ich so einen kleinen, automatisierten, kurzen, aber effektiven Reset-Schlag auf dem Hinterkopf mitunter durchaus hilfreich… 

Also: einfach öfter mal freundlich sein!

Die Möglichkeit besteht, dass das Mädel im Drive-In, die einzige ist, die das Heimlich-Manöver beherrscht, wenn du an einem Chicken Wing erstickst….

In diesem Sinne, ich wünsche einen schönen Start in die neue Woche gehabt zu haben. 

Bye

Nadine 

3. Advent zur Abwechslung mal mitten in der Woche

Liebes Saarland und Rest vonne Welt,

ich hab mal wieder Verspätung. Seit Sonntag bin ich euch die Auflösung der 2. Adventsverlosung schuldig.

Ich könnte jetzt lang und breit ausführen, warum ich es diesmal nicht geschafft habe, pünktlich zu bloggen, aber ich mach es mal eher kurz. Ein Grund war mitunter, dass ich 240 km fahren durfte, um ein WLAN zu reparieren, das deswegen nicht mehr funktionierte, weil das alte DSL Modem abgestöpselt worden war, das neue aber noch original verpackt in der Kiste im Regal stand.

„Aber du hast doch gesagt, der Kasten hat nichts mit Flugmodus zu tun“.

Nein, hat er nicht. Nur wenn mir am Telefon berichtet wird, die Fehlermeldung läge darin, dass sich der Flugmodus am PC nicht ausschalten lässt, sei es mir verziehen, dass ich nicht unmittelbar auf die Idee komme, dass kein Modem mehr angeschlossen ist. Wie zum Henker soll der PC auch ein WLAN empfangen, wenn das Gerät, das das WLAN sendet in Plastikfolie verschweißt ohne Stromzufuhr im Karton im Regal steht??? Da kannste den Flugmodus auch 90 mal an und ausschalten, wo nix ist, kann nix empfangen werden.

Hrmpf.

Aber gut, ich bin die Strecke auch schon mal gefahren, um Papier in den „kaputten Drucker“ einzulegen, insofern sollte ich vielleicht meinen telefonischen Fragenkatalog zur Behebung kleinerer PC-Probleme überarbeiten und neben „Steckt der Stecker“ noch um ein „Steckt am anderen Steckerende ein Gerät“ ergänzen.

Tja, da war wieder einmal einer dahin, der „freien“ Tage, an denen ich zu Hause so viel erledigen wollte. Aber mei, man macht’s ja gern. 

Nun aber schnell zur Verlosung:

Gewonnen hat:

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Herzlichen Glückwunsch, dein Päckchen ist bereits zu dir unterwegs!

Und auch wenn heute bereits Mittwoch ist, neue Runde, neues Glück:

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Auch in dieser Woche gibt es wieder die Möglichkeit, ein schönes zusätzliches Extrapäckchen unterm Weihnachtsbaum vorzufinden.

Hinterlasst einfach einen Kommentar und am Ende der Woche entscheidet zum dritten Mal in diesem Monat das Los, wer sich freuen darf.

Bye

Nadine

 

Spielplatztalk

Nachmittags auf dem Spielplatz.

Blick auf’s sandige Kind. 

Mutter 1: „ich brauche wirklich eine Putzfrau“Mutter 2: „nee, bei uns kann man vom Boden essen“

Ich:“cool, wir kriegen da auch locker ein 3 Gänge Menü zusammen“.

Warum hab ich nur den Eindruck, heute keine neue Freundin gewonnen zu haben…

112 da werden Sie geholfen. Vielleicht. Oder auch nicht.

Und dann war da noch die Sache mit dem CO-Melder…
Liebes Saarland und Rest vonne Welt,

es ist 2:52 Uhr und so langsam komme ich wieder in einen normalfrequenten Pulsbereich.

Was war passiert?

So genau weiß ich es jetzt auch nicht, aber es fing damit an, dass ich mit dem Mini-T. ins Bett ging. Herr T. hatte mal wieder die extralange Schicht, so dass auch klar war, die Nacht wird sich zwischen mir und dem Mini-T. abspielen, dessen Schlafzyklus momentan eher in die Kategorie „für’n Arsch“ „für die Füße“ einzusortieren ist.

Wie durch ein Wunder beschränkte sich der Parcourslauf durchs Bett aber nur auf 20 statt der üblichen 45 Minuten, so dass tatsächlich auch Frau T. mal zügig eingeschlafen war.

Es wurde Mitternacht und Mini-T. hatte sich noch nicht gemeldet, sprich, die Nacht versprach mal mehr als 3 Stunden Schlaf am Stück, ein Hochgefühl der Glückseligkeit.

Und dann…
dann fiepte es.

Laut. Schrill. Fies.

Innerhalb von Millisekunden war der Puls auf 240 und ich wusste erst überhaupt nicht, was Sache ist. Aber hey, Kind schläft und das muss auch so bleiben!!!

Also schälte ich mich sekundenschnell aber elfengleich aus dem Bett, schwebte zur Schlafzimmertür und schloss sie, damit der Krach wenigstens ein bisschen gedämpft sei. Runtergehen und Ausmachen, was auch immer es sein mochte, war erst mal keine Option, denn das Mini-T. ist feinsensorisch und schlaftechnisch leider etwas fehljustiert. Es kann zwar sehr wohl eine ganze Armada an Martinshörnern, US-Kampfjets und nicht TÜV-konforme Motorrad-Auspuffen dröhnen, das juckt es nicht die Bohne. Aber eine einzige knarzende Treppenstufe oder Diele und die Nacht ist gelaufen.

Also legte ich mich schweißgebadet aber stolz, den 80 Jahre alten Holzfußboden nicht zum Knarzen gebracht zu haben wieder ins Bett und dann schoss es mir in den Kopf: der CO-Melder!

Das fiese, penetrante Fiepen ist der CO-Melder. Oder etwa nicht? Und wenn doch? Nein, kann ja gar nicht, der Ofen war seit Wochen nicht an! Und wenn doch? Scheiße.

Normale Menschen würden in so einer Situation jetzt einfach runter gehen und nachschauen. Ok, das kann bei tatsächlichem Kohlenmonoxidauftreten ziemlich zügig eine sehr dumme Idee sein, aber mal kurz Luft anhalten und vergewissern sollte drin sein.

Nun ist Frau T. aber kein normaler Mensch mehr sondern Mutter.
Innerhalb Bruchteilen von Sekunden funkte das Hirn also: „CO-Meldung ->Kind retten, Haus evakuieren, Feuerwehr rufen!“

Nun ist Haus Evakuieren aber so ne Sache, wenn man im letzten Raum des Hauses ist und das Kind nicht durch die vermeintliche Erstickungshölle im Erdgeschoss tragen will. Also Rollo hoch, Fenster auf, völlig verdutztes Mini-T. aus dem Schlaf im BabyBay ans offene Fenster gezerrt, frei nach dem Motto, lieber erfroren als erstickt und 112 gewählt.

Und dann ging der Puls erst richtig hoch. Von allen Volldeppen, die es bundesweit leider Gottes auf Leitstellen so gibt, erwisch ich immer den Leithammel.

Ich also im „ich muss mein Kind retten“-Aktionismus kurz und knapp mein Anliegen erklärt, sagt der Typ: „ich schicke Ihnen jetzt keine Feuerwehr desto sie haben sich vergewissert, ob es der CO-Melder ist“.

WTF???

Muss ich jetzt tatsächlich nachts um eins einem Leitstellenleithammel erklären, dass man einen Raum, in dem ein CO-Melder piept nicht betritt? Erst recht nicht, wenn sich im Haus ein Säugling befindet, der noch wesentlich sensibler auf Vergiftungen reagiert als es Erwachsene schon tun?? Nur mal so am Rande, wir reden hier von einem Gas, das man weder sehen noch riechen kann, sondern einzig und alleine daran erkennt, dass man tot am Boden liegt. Und selbst beim „Nachschauen“ hätte ich ihm nichts anderes sagen können als dass es piept.

Mini-T. fror unterm Fenster, ich kochte am Telefon über.

„Sie sagen mir jetzt ernsthaft ich soll da rein gehen?“

„Na Sie müssen schon sicher sein, dass der Melder ausschlägt“

Im Hintergrund Fiepen, das Fledermäuse panisch vom Himmel fallen lässt.

„Ich geh doch da jetzt nicht rein, ich bin allein im Haus mit ’nem Säugling“.

„Ja, aber wenn es ein Fehlalarm ist, schicke ich kein Auto“

„Ja und wenn es kein Fehlalarm ist? Genau das soll ja geprüft werden!“.

„Ich schicke Ihnen so kein Auto“

Mein Blut kocht über.

„Wie ist ihr Name?“

„Feuerwehr Notruf“

„Ich weiß, wo ich angerufen habe, Ihren Namen möchte ich wissen“

„Feuerwehr Notruf“

„Ist das jetzt Ihr Ernst? Sie glauben doch nicht im Ernst, dass sich nicht rausfinden lässt, wer Sie sind? Nur am Rande, ich bin mit ’nem Notarzt verheiratet, das ist morgen ein Anruf bei der Leitstelle.“

„Das klären wir später. Dann schicke ich Ihnen jetzt die Polizei, dann können die kucken“.

Damit wir dann potenziell zu viert tot in der Bude liegen? Die Polizei kann ja viel, aber CO-Melder tragen die auch nicht am Mann und wenn sie nicht irgendwelche Superheldenfähigkeiten haben, was ich nach bisherigem Erfahrungsschatz mit der saarländischen Polizei ausschließen kann, können die auch kein Kohlenmonoxid erschnüffeln.

Ich tobte.

Frau T. kann ja auch viel, was sie aber gar nicht kann, ist der Umgang mit Volldeppen kompetenzfernen Menschen! Aber gut, wenn der Notruf nicht hilft, nimmt man sich der Sache halt doch selbst an.

„Danke, die brauch ich jetzt auch nicht, dann lös ich das Problem halt selbst“. Klick. Arsch!

Sterben wollte ich allerdings nicht, ohne den besten Ehemann von Welt benachrichtigt zu haben, also funkte ich auch noch den um inzwischen halb zwei aus dem Bett. Da kann die arme Socke mal im Dienst schlafen und dann ruft die tobende Alte wegen Piepen an…

Nachdem der mich dann beruhigt hat und mir versichert hat, dass unser Melder schon bei ganz geringen Mengen Alarm gibt und ich ruhig kucken gehen kann, das Handy aber bitte mitnehmen sollte, hab ich das inzwischen bibbernde aber fröhlich glucksende Mini-T (olé olé endlich sind alle wach und bespielen mich sicher gleich) heldenhaft allein gelassen und machte mich auf den Weg Treppe abwärts, nur um festzustellen, dass das frenetische Piepen inzwischen aufgehört hatte. Wann genau, hab ich in dem Szenario gar nicht wahrgenommen…!

Trotzdem bzw. jetzt erst recht ins Wohnzimmer, CO-Melder zur Kontrolle gedrückt. Es fiept. Ja, das war der Ton. Ohrenbetäubend. Das Gerät zeigte aber keinen Messwert an. So ein Sch…Himmel sei Dank. Also erstmal einatmen und ausatmen. Herrn T. die frohe Kunde mitteilen und kurz noch das Fenster kippen, just in case und zwecks der Sicherheit. Denn wirklich Messwerte gegengeprüft wurden ja nicht.

Nichtsdestotrotz zügig wieder hoch ins Schlafzimmer. Glucksendes Kind gepackt und erst mal ins große Bett unter die Bettdecke geworfen, da leuchtet es blau vor der Haustür. Die Polizei. Na prima. Nun erklär das denen mal… „Wissen Sie, vorhin hat es hier noch gepiepst“ – „ja, nee ist klar, ich glaub bei Ihnen piept es immer noch“.

Aber nein, die beiden Beamten waren sehr nett und nach einem kurzen Lagecheck auch schnellstmöglich wieder weg. Die haben sich halt auch gefragt, was sie hier sollen und waren wohl froh, nicht atemlos in der Nacht rumzuliegen.

Es dauerte dann auch nur noch eine weitere Stunde, bis ich das Mini-T. wieder davon überzeugt hatte, dass leider trotz allen Lichts und Besuchs immer noch Nacht ist und ich wirklich, wirklich jetzt nicht mit ihm Räuber und Gendarme spielen werde und es einfach wieder schlafen soll. Das tat es dann Himmel sei Dank wieder. Und ich? Inzwischen ist es 4:30 Uhr und ich liege hellwach im Bett, tippe diesen Beitrag um wieder runterzukommen, denn so wie ich die Augen schließe flüstert mein Hirn „Räuber, hihi, gekipptes Fenster“.

War es nun tatsächlich der CO-Melder oder war er es nicht und Mini-T hat bloß im Laufe des Tages mit seinen neugierigen Fingerchen den Alarm irgendeines bestialisch lauten Gerätes aktiviert, das genauso klingt….wir werden es wohl nie erfahren.

So oder so, auf jeden Fall danke für’s Gespräch, Arsch Mensch von der Leitstelle.

Gute Nacht, bzw. guten morgen

Nadine

Damals, als Deutschland noch Deutschland war…

Liebes Saarland und Rest vonne Welt,

nach langer Blog-Abstinenz aufgrund von Mini-T.-, Sale-a-bration- und Familien geschuldetem Zeitmangel mal wieder eine kleine Anekdote, bezüglich derer meine Phantasie nicht ausreicht, um eine geschickte Einleitung, Überleitung oder Verknüpfung zu Bastelzeug zu finden. Deswegen diesmal direkt in medias res:

Homburg, Enklerplatz 10:54  Uhr

Sitzen zwei ca. 17jährige Mädels Fraktion „wer braucht im Winter schon Stoff, genug Make Up wärmt auch“ vor P&C auf der Bank. Neben ihnen eine junge Frau mit Kinderwagen. Davor, Frau T. bemüht, eine Packung Windeln und eine Einkaufstasche von dm in die Kinderwagenablage zu friemeln. Eine dezente Veilchen-überreife-Mango-Vanille-Pfirsich-Patschuli-Duftschwade liegt in der Luft und ich überlege kurz, sicherheitshalber das Verdeck von Mini-Ts. Kinderwagen zu schließen, man möchte die zarten Babybronchien ja nicht direkt des Todes weihen.

Sagt das erste Mädel: „ey lass uns noch zu D-Mark reingehen, ich brauch Sprüh (??)“.

Die Frau mit (tatsächlich verschlossenem) Kinderwagen kuckt mich fragend an. Ich zucke schweigend die Schultern.

Erwidert die andere: „findisch voll gut, dass die nicht mitgemacht haben bei dem Europascheiss. D-Mark klingt auch viel besser als Euro-Laden. Das ist so billisch ey und auch gar kein deutscher Nationstolz!“

Mir fällt die Pamperspackung aus der Hand und ich greife hektisch zum Handy. Mein Hirn weigert sich vehement solche Dialoge abzuspeichern, dieser verspricht aber noch Blogpotenzial zu entwickeln, da muss man mitschreiben.

Während ich also das Handy hervorkrame, ist die Kinderwagenfrau schwer beschäftigt, ihr aus dem Mund gefallenes Brötchen aufzufangen. Sie kuckt mich wieder fragend an. Ich verkneife mir alles, lächele nur und schweige. Sie lehnt sich zu den beiden Mädels rüber und sagt freundlich:

„Ich glaube, der Laden heißt ‚dm‘ als Abkürzung für Drogeriemarkt und nicht für D-Mark.“

Diesel-Dunja und Lidstrich-Lola schauen sie fassungslos an.

„Alter echt jetzt? Drogeriemarkt? So mit Gras und Hasch und so? Krass, siehste Dunja, selbst das ging damals noch, als Deutschland noch Deutschland war! Jetzt mit Europa geht das nur noch in Holland.“

„Ja voll Glück, dass die ne Insel sind, da kommt Europa nicht hin.“

Und da geht sie hin unsere Rente….

In diesem Sinne: genießt den schönen, sonnigen Tag, denn wenn das die Zukunft ist, sieht es leider düster für uns alle aus.

Bis bald, ja, ich hoffe immer noch, dass im Hause T. bald wieder Ruhe einkehrt und sich wieder Zeit fürs Bloggen und Basteln auftut.

Bye

Nadine

Asche über mein Haupt

Liebes Saarland und Rest vonne Welt,

ich danke euch vielmals für die unfassbar vielen lieben Worte und Glückwünsche zu meinem dreijährigen Demo-Dasein! Ein fester Vorsatz für das nächste Jahr war, regelmäßiger zu bloggen und immer sofort auf alle Kommentare zu antworten, denn ich freue mich wirklich sehr über jeden einzelnen und ich möchte ja nicht, dass ihr denkt, dass ich sie nicht lese!

Und dann kam doch wieder alles anders. Wie das so ist mit Vorsätzen…sie sind da, man glaubt fest daran und dann kommt doch wieder das Leben dazwischen. Ich habe tatsächlich die letzten Tage nicht die Zeit gefunden, irgendwas zu schreiben oder auch nur einen einzigen Kommentar zu beantworten! Asche über mein Haupt. Seid aber versichert, zumindest die Kommentare sind bereits alle in der Lostrommel, auch wenn ich euch die persönliche Antwort bisher schuldig geblieben bin.

Hier geht es immer noch drunter und drüber, wir warten täglich auf die Schreckensmeldung der Palliativstation, der Zwerg fordert mehr Aufmerksamkeit denn je und der Schlafmangel fordert langsam aber sicher seinen Tribut…Verlust der Muttersprache und so…

Liebe Kinderlose: wenn euch gestandene Mütter sagen, dass Familiengründung das Schönste auf Gottes Erden und das einzig Wahre und Erfüllende ist, glaubt ihnen nicht! Entweder sie haben Wodka in der Kaffeetasse, sind auf Johanniskraut oder aber es ist die hormonelle Verdrängung oder Stilldemenz, die aus ihnen spricht! Denn ganz unverblümt unter uns: die Menschheit wäre schon ausgestorben, wenn man sich tatsächlich an jedes kleine Detail erinnern würde. Geschwisterkinder wären so rar wie die Blaue Mauritius und werdende Großmütter würden nicht vor Freude quieken sondern inbrünstig schreien „Kind hast du den Ar… auf, hab ich dir denn nichts beigebracht?“.

Versteht mich nicht falsch, ich liebe unseren Sprössling und ich möchte ihn auch um nichts in der Welt missen, aber bisweilen möchte ich ihn zum Mond und noch weiter schießen, nur um mal wieder eine Nacht zu schlafen, keinen Brei aus Nasen-, Ohren- und Schlüssellöchern friemeln zu müssen und einfach mal zwei Stunden am Rechner zu sitzen und darüber zu philosophieren, warum sich frische Eltern so anstellen, „das kann doch alles nicht so schwierig sein, die Kleinen schlafen doch eh 80% der Zeit“.

Ja tun sie. Es sagt einem nur vorher keiner die Rahmenbedingungen: Brust im Mund oder Kopfsteinpflaster unter den Füßen. Ausschließlich. Am liebsten vermutlich beides kombiniert. Beides aber eher suboptimale Voraussetzungen um z.B. die längst überfälligen Dankeskarten zur Geburt zu werkeln oder die Weihnachtsproduktion anzukurbeln. Haushalt? Ach wer braucht schon Haushalt. Zu viel Keimfreiheit macht eh nur Allergien. Und mal eben nach Luxemburg fahren und in Ruhe Klinikbesuch abstatten? Fehlanzeige, die mobile Alarmanlage sorgt zwar dafür, dass die komplette neurologische Abteilung weiß, dass T.s wieder da sind, aber mit Zeit, Ruhe und Gelassenheit, die man als Besucher mitbringen sollte, hat das nichts zu tun.

Und so vergehen Tage um Tage und plötzlich ist Silvester und man weiß nicht, wie einem geschah.

Aber wie sagt die Hebamme so schön: Es ist ne Phase. Alles ne Phase. Vielleicht sollte ich mal an deren Kaffeetasse schnuppern…

Bye

Nadine

Babymassage

Liebes Saarland und Rest vonne Welt,

als Mutter von Welt, habe ich mir sagen lassen, gehört es sich, das Kind nach Möglichkeit zu bespaßen frühkindlich zu fördnern. Pekip, Massage, Babyschwimmen und haste nicht gesehen sind nicht etwa optional sondern Pflichtveranstaltungen für die Mutter, die was auf sich hält. Das Kind könnte ja sonst 20 Jahre später beim Einstellungsgespräch gestehen müssen, dass es nicht schon mit 8 Wochen Rolle rückwärts mit vierfach Flickflack konnte und das einzig und allein, weil seine Rabeneltern die frühkindliche Förderung vernachlässigt haben.

Ich persönlich bin ja der Meinung, dass es bei diesen Kursen nicht ums Kind geht, sondern sie überwiegend eine Beschäftigungstherapie für Mütter sind, die bis dato jobmäßig gut beieinander waren und den Haushalt von der Putzfrau und das Kind von den Großeltern gewuppt bekommen und somit zu viel Zeit haben.

Frau T. hat leider beides nicht und zudem ein Kind, das schlaftechnisch gesehen sagen wir mal etwas eigenwillig ist und der Tag somit seine ganz eigene Struktur hat. Nichtsdestotrotz ist es das erste mal seit sie 16 ist, dass sie nicht zum Arbeiten aus dem Haus muss darf und somit nach inzwischen 4 Monaten Hausfrauen- und Mutterdasein dem Lagerkoller verdammt nah ist. Also dachte sie sich, „melde ich uns doch mal zu so nem Babymassagekurs an. Kannste ja nix falsch machen…“!

Mittwoch, 14:30 Uhr. Mini T. ist total friedlich, möchte eigentlich Mittagsschläfchen halten, aber Mutter hat ja Termine. Also Kind ins Auto, ab zur Hebammenpraxis, das Kind soll ja zur Tiefenentspannung geknetet werden.

14:45 Uhr. Mini-T. findet die Autoschale ziemlich blöd und läge viel lieber im Bett.

14:55 Uhr. Lautstarke Bässe tönen aus dem Massageraum, wo gerade noch nach Kräften geturnt wird. Frau T. nimmt mit dem verdutzt schauenden und Äuglein reibendem Mini-T. Platz und wartet geduldig bis der Rückbildungskurs zu Ende ist. Mini-T. gähnt, die Augen fallen zu.

15:02 Uhr. Die Tür ist auf, es wird fleißig umgeräumt und die Massagemuttis dürfen rein. Die Luft ist so, wie Luft eben so ist nachdem 20 Frauen auf zu engem Raum zu viel geschwitzt haben und mindestens 10 der 20 mitgebrachten Babys dringend einer Unterbodengrundsanierung bedürfen. Alles wuselt hektisch rum, Mini-T. schreit.

Das Kind tröstend sucht sich Frau T. ein Plätzchen auf den kreisförmig ausgebreiteten Isomatten. Die Praktikantin verteilt fleißig Wickelunterlagen und zu den bereits 4 anwesenden Rückbildungsmuttis gesellen sich noch weitere 7 mit ihren Winzlingen hinzu.

3 von 12 schreien. Mini-T. schluchzt leise.

Die Hebamme begrüßt die Runde, schließt alle Fenster, 90 Sekunden lüften müssen reichen nach 60 min. Rückbildung, die Kinder dürfen ja nicht frieren.

Frau T. zum ersten Mal in so nem Kurs schaut sich gespannt um, horcht den Erklärungen der Hebamme und erfährt, dass es sich bei der heutigen Technik um die „Sandmännchen-Massage“ handelt und unsere „Goldstücke danach schlafen wie die Engel“. 5 von 12 plärren, immerhin keins davon das Mini-T., das kuckt mit roten Augen latent apathisch Löcher in die Luft.

Wenige Augenblicke später liegen 12 splitterfasernackte Säuglinge mehr oder minder entspannt auf Isomatten, Handtüchern und Wickelunterlagen, davor knien elf hochmotivierte Muttis und eine, deren Knochen vom auf dem Fußboden Sitzen jetzt schon weh tun. Frau T. ist letztere.

Während die Hebamme warmes Öl in der Runde verteilt, quiekt es auf zwei Uhr und die Praktikantin stürzt zum Desinfektionsspray. Baby 1 hat gepieselt. Baby 2 folgt sogleich auf sieben Uhr. 4 von 12 plärren.

Mit sanfter Stimme und leiser Hintergrundmusik erklärt die Hebamme zwischen dem Geplärr anhand einer Puppe die Massagegriffe und betont immer wieder, wie wichtig es sei, den Blickkontakt zum Kind zu halten, „das stärke die emotionale Bindung“. Ich kucke also dem vor mir liegenden nackigen Etwas gebannt ins Gesicht, das Etwas wiederum dreht demonstrativ den Kopf zur Seite und starrt fortan alternativ Puppe oder Hebamme an. Ich könnte ihm egaler nicht sein. 4 von 12 plärren.

15 Minuten später, Mini-T. hat mir inzwischen nicht einmal, nicht zweimal, nein drei mal auf die Hand gepieselt. Das Desinfektionsspray hat genau wie die Großpackung Wickelunterlagen zwischen mir und meiner Nachbarin seinen festen Platz eingenommen, deren Tochter setzt nämlich gerade zum zweiten Mal Drücken an.

Nach Brust, Bäuchlein und vollem Körpereinsatz, um die sich windenden, glitschigen Winzlinge auf der Matte zu halten, stehen jetzt die Beinchen auf dem Plan, denn „das lieben die Babys total!! Ihr werdet sehen, das ist so toll“.

Nochmal ordentlich Öl in die Handflächen und auf geht’s. Während das Mini-T. immer noch völlig teilnahmslos die Hebamme samt Puppe anstiert und meine Nachbarin ihre hampelnde Tochter auf der Unterlage fest tackern möchte, greife ich behutsam nach Mini-T.s winzigem Oberschenkel. Kaum hat meine Hand sich drum rum gelegt, verzieht sich der Mund zum Schippchen und das kleine nackte glitschige Etwas setzt zum Schreien an als würde es abgestochen.

Inzwischen plärren 5 von 12. Aber nur eins derart, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Welches wohl zu mir gehört?

„Du kannst ihn ruhig hochnehmen zum Beruhigen“ vernehme ich die Stimme der Hebamme. Ja nee ist klar. Frau T., nach 20 Minuten auf dem Boden kniend so beweglich wie 6 Meter Bahnschienen, versucht also diese nackte, ölige, ums Leben schreiende, entsicherte Strullerschnellfeuerwaffe hochzunehmen, dabei mit zwei eingeschlafenen Beinen und öligen Händen vom Boden hochzukommen, das alles ohne sich, das Kind oder die umliegenden Muttis in ernsthafte Gefahr zu bringen und sich außerdem so abzuwenden, dass nicht noch neu gestrichen werden muss falls zum Strullern auch noch…halleluja….ich möchte gar nicht dran denken! Also doch lieber erst mal Pampers drum rum und dann aufstehen. Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, jemals versucht, mit öligen Händen, ein schreiendes, sich strack machendes, wegflitschendes Kind zu wickeln? Nein? Seien Sie versichert, es ist schlichtweg nicht machbar.

Einziger Trost: auf 12 Uhr bahnt sich ein identisches Szenario an.

Minuten später: 5 von 12 weinen, 2 weitere werden wimmernd und schluchzend im Fliegergriff durch den Raum getragen. Einer davon Mini-T. inzwischen immerhin sogar angezogen und gesichert.

15:57 Uhr. Die Sandmännchen-Massage nähert sich dem Ende.

3 lächeln, 2 werden rumgetragen, 7 weinen, null schlafen.

16 Uhr. Frau T. sitzt schweißgebadet. mit zuckendem Augenlid im Auto. Auf der Rücksitzbank findet Mini-T. die Autoschale immer noch ziemlich doof und läge viel lieber in seinem Bett. Nee, wat simmer jetzt entspannt.

Zu Hause angekommen ist die erste Amtshandlung, die Gute Nacht Lektüre wegzuräumen, denn man mag es kaum glauben, im Hause T. hat vorerst mal mindestens 1 von 3 die Nase von Sandmännchen gestrichen voll.

17:00 Uhr. Mini-T. ist gänzlich ohne Sandmännchen an der Brust eingeschlafen, genau so wie es das um 14:30 Uhr auch schon getan hätte, hätte man es nur gelassen.

Wie gut, dass wir auch schon zum Babyschwimmen angemeldet sind….! Ich seh mich jetzt schon augenzuckend in der Ecke mit der Poolnudel kuscheln.

Bye

Nadine